Schneewittchen

nach den Brüdern Grimm

Bearbeitung & Regie // Florence Behm & Jost op den Winkel



Zwerge boten olympiareife Leistung

[…] Die Naturbühne Hohensyburg ist zurück an einem der Orte, an denen in Dortmund am freigiebigsten geklatscht wird. Immer, wenn die Mimen von der Syburg im Westfalenpark ein Märchen aufführen, geht das Publikum ab drei Jahren so richtig mit. In diesem Jahr hat es auch allen Grund dazu, denn Florence Behm und Jost op den Winkel haben ihre Inszenierung von »Schneewittchen« mit Gags angereichert, die so richtig nach dem Geschmack des Publikums sind. Vor allem die Zwergen-Bande hat es den Kleinen angetan. Sie kommt mit Kapuzenmänteln daher, gebückt, auf Knie-Galoschen rutschend - und hat in dieser Haltung auch noch so manche Bühnentreppe zu bewältigen. Das ist fast schon eine olympiareife Leistung.

Nett auch die Idee, den berühmten Zauberspiegel von einem Menschen spielen zu lassen. Dieser sprechende Spiegel ist redselig wie ein Friseur und hat eigentlich überhaupt keinen Spaß daran, die Königin mit der schlecht sitzenden Frisur für ihr Äußeres zu loben.

Im Kreise so vieler Witzfiguren und Sympathieträger hat es Schneewittchen (Sina Zuschlag) nicht ganz leicht, die Herzen der Zuschauer für sich zu gewinnen. Geradezu turbo-märchenhaft schnell vollzog sich überdies Schneewittchens Wandlung vom kreischenden Backfisch zur Zwergenübermutter, die ihren lieben Kleinen vor dem Gang zur Arbeit die Mützlein gerade zupft. […]

 

Westfälische Rundschau Dortmund, 3. August 2004



Prinzessin hauchte »Ja, ich will«

Das »Schneewittchen«, das gestern hinter sieben Hügeln am Florianturm im Westfalenpark im Haus der sieben Zwerge unterm Sonnensegel Unterschlupf gefunden hat, ist offenbar ein begehrtes Königstöchterchen. »Auch König Drosselbart hat schon um ihre Hand angehalten« […]

Sonst halten sich Florence Behm und Jost op den Winkel, die beiden Jungregisseure der Naturbühne Hohensyburg, die im 20. Jahr mit einem Sommermärchenspiel zu Gast im Westfalenpark ist, aber eng an das Original der Brüder Grimm. Sonja Bause spielt die böse Stiefmutter mit viel Dramatik. Kein lebloser Spiegel, sondern ein Glitzerwesen aus Fleisch und Blut (Benjamin Boresch) steht ihr gegenüber, macht nette Scherze und verrät nicht nur »Schneewittchen ist tausendmal schöner als Ihr«, sondern warnt die Stiefmutter auch: »Hass macht Falten«.

Aufgeregt stolpert Schneewittchen, das Sina Zuschlag sehr schön mädchenhaft spielt, in das niedlich eingerichtete Haus der sieben Zwerge […]. Zwerg Wolkenbruch, der nie ohne Schirm aus dem Zwergenhaus geht, ist wohl eine Hommage an den Sommer 2004. Obwohl das Sonnensegel ja auch ein Regensegel ist. […]

 

Ruhr Nachrichten Dortmund, 3. August 2004



Der Spiegel sagt's deutlich: Königin nicht auf der Hitliste

[…] Wie immer haben sich die Ausführenden, allen voran die Regisseure Florence Behm und Jost op den Winkel, einiges einfallen lassen, um den Stoff aufzumöbeln. So will sich ein Zwerg, wenn er durch die Arbeit im Bergwerk zu Reichtum gelangt ist, ein riesiges Stück Erdbeertorte mit Schlagsahne gönnen. Oberzwerg Kunibert (Diana Huth), ist ganz aus dem Häuschen, wenn er seinen Stuhl zerbrochen vorfindet, nachdem Schneewittchen ins Haus eingedrungen ist ...

Neben den phantasievollen Kostümen von Britta Dietrich sind es die Darsteller, die das Publikum fesseln: Sonja Bause als eifersüchtige Königin, Christopher Bauer als liebender Prinz und Sina Zuschlag als Schneewittchen bilden ein gutes Team. Und dann ist da noch der Spiegel (Benjamin Boresch), der der Königin den Dienst quittiert und ihr sagt, dass sie noch nicht einmal zu den Top-Fifty der Märchenheldinnen gehöre.

 

WAZ Dortmund, 3. August 2004



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