nach Hans Christian Andersen

von Jörg Albrecht

[Märchen.pop.up No.2]

 

Soundtrack // Otis Optic And The Option People

choreographische Regie // Florence Behm

Bühnenbild // Jens Mühlenbrock

Uraufführung // 3. März 2006, 19.30 Uhr

»Die Rosen werden blühn und verwehn«, singt Kay, von seiner Band begleitet. »Die Rosen werden blühn und verwehn. / Wir werden das Nordlicht sehn.« Eigentlich ist es das Lied, das er und seine beste Freundin Gerda singen, seit sie klein waren. Die beiden verbindet eine tiefe Liebe, eine Freundschaft, die keinen von beiden l osläßt. Im Sommer sitzen sie zwischen den Rosensträuchern und zwischen den Dachkammern ihrer Eltern. Im Winter legen sie Metallstücke auf die Scheibe und sehen sich duch die Gucklöcher hindurch an.

Bis Kay an einem Winterabend von etwas getroffen wird, von einem Fotoblitz, der sich in sein Auge bohrt. Über diesen Blitz dringt der winzige Splitter eines teuflischen Spiegels in Kay ein. Sein Herz schlägt langsamer, und Kay gefriert immer mehr. Eines Nachts verschwindet er, in Begleitung einer Frau aus blinkendem Eis. Es gibt kaum Spuren. Doch Gerda macht sich auf die Suche.

Auf der Reise in den Norden trifft sie eine Zauberin, in der ein Blumengarten blüht; einen Prinzen, der Kay bis aufs Haar gleicht, und seine Prinzessin, die sich über Daguerres Kamera unterhalten; ein Räubermädchen und ein Rentier, das Nordlichter kennt; und immer wieder die Augen der Schneekönigin.

Gerda // Es gibt solche Augen und solche. Augen, die aufleuchten vor Glück / Unglück. Augen, die in der Dunkelheit wie ein Spiegel sind. Augen, in denen sich der Schatten noch weiter spannt. Es gibt lebendige Augen und tote. Es gibt Tage, an denen das Leben in die Augen hineinspringt, und es gibt Tage, an denen überall alles stirbt. Tage der Toten. Und nun. Kay ist tot, vollkommen tot und verschwunden.


Im Eispalast versucht Kay, aus Steinen ein Wort zu legen: Ewigkeit. Schafft er es – so hat die Schneekönigin versprochen – gehört ihm die ganze Welt, und eine Fotokamera, die zwischen den Hirnwindungen angeschlossen wird.




 

 

 

 

Kay // Kammern, zwischen denen man sitzt. Kammern, durch die man sieht. Kammern, in denen etwas schlägt. Es gibt solche Listen und solche. Ist es ein fertiges Bild von. Einem Verbrechen. Dem Auge einer Taube. Seite 173 des Anatomieatlas. Ein Elektrokardiogramm.

 

Am Schluß kann Gerda Kays Augen und sein Herz retten, und beide kehren zurück nach Hause.



Da standen sie beide, erwachsen und doch Kinder. Kinder im Herzen. Im pulsierenden, immer weiter pulsierenden Herzen. Und es war Sommer. Nicht mehr. Warmer guter Sommer.

 

Die Schneekönigin ist Andersens bildreichste Auseinandersetzung mit dem Thema »Tod«. In dieser Umsetzung des Märchentextes geht es auch um das Sehen und Nicht-Sehen, um die verwundeten Augen Kays und die blitzenden der Schneekönigin. Die Bilder beginnen, zu töten: Gerda macht sich auf die Reise, um Kay zu finden, doch, verfolgt vom Kamera-Auge der Schneekönigin, muß sie immer wieder in andere Rollen schlüpfen. Andersens Erzählung wird zum Popmärchen zwischen Licht und Dunkel, mit Kunstschnee, mit Norwegerpullovern, Fotoapparaten und psychedelischen Klängen.

SCHNEE.KÖNIGIN ist nach ALICE der zweite Teil der Serie »Märchen.pop.up«, in der Jörg Albrecht Märchen der Moderne neu erzählt, in sprachlichen und musikalischen Rhythmen und pop-artigen Bildern.

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